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Lipödem

Bis die Diagnose Lipödem gestellt wird, dauert es leider oft sehr lang. In vielen Fällen wird es fälschlicherweise mit Adipositas verwechselt, da beides häufig parallel zueinander auftritt, was eine Differenzierung erschwert. An den folgenden Punkten können Sie erkennen, ob Sie möglicherweise ein Lipödem haben.

Der Begriff Lipödem beschreibt eine chronische und zudem schmerzhafte Fettverteilungsstörung mit Wassereinlagerungen. Die Krankheit betrifft überwiegend Oberarme, Hüfte und Oberschenkel, der Rest des Körpers weist in der Regel normale Proportionen auf. Deshalb spricht man bei dieser Krankheit auch vom „Reiterhosenphänomen“.

Stadien

Sta­dium I: Haut­ober­flä­che glatt, Unter­haut­fett ver­dickt, Fett­gewebsstruk­tur fein­kno­tig 
Sta­dium II: Haut­ober­flä­che uneben, Fett­gewebsstruk­tur grob­kno­tig und deutlich sichtbar vermehrt 
Sta­dium III: Gewebe zusätz­lich der­ber und här­ter, groß­lap­pig, defor­mie­rende und überhängende Fett­lap­pen, vor allem im Bereich der Knie / Ellenbogen 
Sta­dium IV: Zusätzlich manifestiertes Lymphödem (Elefantiasis) 

Typen

Typ 1: Gesäß und Hüften (Bildung der sogenannten „Reiterhosen“) 
Typ 2: Gesäß, Hüfte, Oberschenkel 
Typ 3: Gesäß, Hüfte, Ober- und Unterschenkel 
Typ 4: Beine und Arme sind betroffen 

Bleibt ein Lipödem über Jahre hinweg unbehandelt, KANN sich daraus die Mischform Lipolymphödem entwickeln.

Wie kann es behandelt werden?

Einer Verschlechterung des Lipödems kann durch eine frühzeitige Diagnose vorgebeugt werden. Da es sich bei einem Lipödem um eine chronische Erkrankung handelt, wird diese Sie Ihr ganzes Leben lang begleiten. Die Ausmaße und mögliche Folgen des Lipödems können Sie durch konsequente Therapie positiv beeinflussen und Beschwerden lindern. Es ist wichtig, dass Sie sich und Ihre Erkrankung akzeptieren und Behandlungsmöglichkeiten so frühzeitig wie möglich und auch dauerhaft wahrnehmen und zum „Manager“ Ihrer Erkrankung werden. Bei einem Lipödem bringen weder Diäten oder Fastenkuren noch Sport den gewünschten Erfolg, denn eine Fettreduzierung wird dadurch an den betroffenen Stellen nicht eintreten. Sie werden nur an „gesunden“ Partien Ihres Körpers abnehmen. Daher sind diese Möglichkeiten zur Behandlung eines Lipödems nicht zielführend. Generell sollte trotzdem auf eine gesunde Ernährung, Bewegung und Sport in Kompressionsbekleidung geachtet werden. Eine Heilung von Lipödemen durch Medikamente ist nicht möglich. Ein Lipödem wird durch die Kombinierte Physikalische Entstauungstherapie mit Manueller Lymphdrainage (MLD) und unterstützender Kompressionstherapie (konservative Methode) evtl. in Kombination mit Apperativer Intermittierender  Kompressionsbehandlung  behandelt. Diese gliedert sich in zwei Phasen (Phase 1: Entstauungsphase, Phase 2: Erhaltungs-Optimierungsphase).

Die operativen Methoden

Für einige Patientinnen können auch operative Eingriffe wie eine Fettabsaugung (Liposuktion) und danach manchmal nötige plastisch chirurgische Eingriffe in Frage kommen. Dies muss aber von Fall zu Fall vom behandelnden Arzt individuell entschieden werden und setzt zuvor eine konsequent durchgeführte konservative Behandlungsmethode voraus.

Liposuktion – Eine weitere Möglichkeit in der Lipödem-Therapie
Das vermehrte Fettgewebe kann nur durch eine Liposuktion, also eine Fettabsaugung entfernt werden. Dies sollte erst nach einer konsequent durchgeführten konservativen Therapie erfolgen.
Allerdings ist aber auch durch eine Liposuktion keine garantierte Heilung des Lipödems möglich, eine zeitweise Entlastung und Verringerung der Beschwerden kann jedoch dadurch erreicht werden.
Sollten Sie eine Liposuktion ins Auge fassen, ist es unbedingt nötig, sich bei einem oder mehreren Fachärzten über die möglichen Erfolge, Risiken und Nebenwirkungen, auf Sie zukommenden Kosten und Langzeitergebnisse dieser Methode aufklären zu lassen. In den wenigsten Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Liposuktion. Die Kosten für eine Kompressionsbekleidung werden dagegen in den meisten Fällen übernommen.

Ambulant oder Stationär?
Ob Lymph- oder Lipödeme ambulant oder stationär behandelt werden, hängt in erster Linie vom Stadium der Ödeme und eventueller Begleiterkrankungen ab. Aus mehreren Gründen kann es sinnvoll sein, ein Ödem stationär behandeln zu lassen:

  • Eine Verbesserung der Symptome kann nur eintreten, wenn die Therapie in der Entstauungsphase (KPE Phase 1) lückenlos, komplett und kontinuierlich, also möglichst täglich, stattfindet. Wird sie unterbrochen, kann sich der Befund und die Symptome verschlechtern.
  • Gerade wenn ein Lymph- oder Lipödem schon weiter fortgeschritten ist, kann es intensive Maßnahmen erfordern, um Umfänge deutlich zu reduzieren. Mitunter kann es sein, dass Patienten/innen einen Großteil des Tages mit der Therapie beschäftigt sind. In solchen Fällen ist eine ambulante Versorgung nicht immer möglich.
  • Nur durch tägliches Tragen der Kompressionsbandagierungen in der Entstauungsphase oder der Kompressionsbekleidung in der Erhaltungsphase können Erfolge sichtbar und diese auch langfristig erhalten werden. Oftmals kann die Motivation gerade in der Erhaltungsphase der Therapie nachlassen. Ein stationärer Aufenthalt mit einer konsequenten Entstauungstherapie und daraus resultierende Umfangs- und Schmerzreduzierungen können hier zusätzlich unterstützen, die Kompressionskleidung auch weiterhin konsequent zu tragen.
  • Eine stationäre Behandlung umfasst zusätzlich weitere wichtige unterstützende Maßnahmen wie Hautpflege, Ernährungsberatung, Schmerztherapie, Fitnesstraining, psychologische Betreuung oder eine Anleitung zur Selbstbehandlung nach der Entlassung. Eine Intensiventstauungsphase und das Erlernen einer korrekten Selbstbehandlung können Sie auch in lymphologischen Schwerpunktpraxen ambulant durchführen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Entstehung eines Lipo-Lymphödems

Besonders in fortgeschrittenen Stadien des Lipödems kommt es häufig, wie bereits beim Lymphödem erklärt, zu einem sogenannten „Lipo-Lymphödem“.

Hier tritt neben dem bereits bestehenden Lipödem zusätzlich eine Lymphabflussstörung auf. Diese Mischform entsteht aus der extremen Einengung der Lymphgefäße durch stark wucherndes Fettgewebe. Die Lymphe kann nicht mehr ausreichend abfließen und staut sich im Gewebe.

Das Lymphödem entwickelt sich im Rahmen einer Lipödemerkrankung, abweichend von seinem normalerweise einseitigen Auftreten, meist symmetrisch.

Orthopädische Folgeschädigungen

Aufgrund von Volumenvermehrungen an den Innenschenkeln kann es zu erheblichen Beeinträchtigungen der Beweglichkeit und des Gangbildes kommen. Fehlstellungen im Bereich der Sprung-, Knie- und Hüftgelenke können hier die Folge sein.

Schädigung des Venensystems

Wird bei Ihnen ein Lipödem diagnostiziert, ist zusätzlich eine phlebologische Untersuchung des Venensystems anzuraten, denn das Venensystem kann durch ein bestehendes Lipödem Schaden nehmen. Durch frühzeitiges Erkennen einer Venenfehlfunktion können oberflächliche Krampfadern und eine Schädigung des tiefen Venensystems vermieden bzw. bereits bestehende Venenleiden ebenfalls behandelt werden.

Quelle von Juzo